WIWAHO - Geschichte
Der Wiener Wald – Zur Kulturgeschichte des Grüngürtels vor den Toren Wiens
Im Westen von Wien erstreckt sich das rund 135.000 Hektar große Wienerwaldgebiet. Die "grüne Lunge" Wiens, das sind ausgedehnte Buchen- und Eichenwälder, durchbrochen von Wiesen, Äckern und Weingärten. Dieses Erscheinungsbild wurde durch die Nutzung des Waldes geformt. Schon seit der Steinzeit lassen sich menschliche Spuren in diesem Gebiet finden. Der Name "Wienner Waldt" wird im Mittelalter zur Zeit der Babenberger erstmals erwähnt. Vom Siedlungsgebiet, über Nutzwald bis hin zum Waldidyll hat der Wienerwald eine historisch vielschichtige Wandlung durchlaufen. Doch wie wurde der Wald seit der ersten Besiedelung durch Kelten und Römer genutzt? Welche Veränderungen hat der menschliche Einfluss auf das ausgedehnte Biotop bewirkt? Diesen Fragen widmet sich der Architekturhistoriker Markus Swittalek bei einem Spaziergang durch die Kulturgeschichte des Wienerwalds von der Antike bis in die Moderne.
Mit: Markus Swittalek, Architekt und Architekturhistoriker
Gestaltung: Barbara Matzner-Volfing
Radiosender ORF/Ö1 www.orf.at
Sendedatum: 7. bis 11. März 2022
Senderreihe: www.oe1.orf.at/betrifftgeschichte
Betrifft Geschichte :: Der Wienerwald :: Ö1-Radiosendung zum Nachhören
Geschichte des Wienerwaldhofs
WiWaHo – so wurde und wird der Wienerwaldhof familienintern gerne liebevoll genannt. Im Besitz unserer Familie ist dieser Hof seit dem neunzehnten Jahrhundert, seine Geschichte reicht aber in das Jahr 1679 zurück.
Damals wurde das geschlossene kaiserliche Jagdgebiet westlich von Purkersdorf zur Besiedelung durch Waldbauern geöffnet. Es kamen Oberösterreicher, Salzburger und Bayern und sollten als Waldarbeiter für das kaiserliche Waldamt den Wienerwald zur Gewinnung von Brenn- und Bauholz bewirtschaften. Ihre Familien brauchten eine Lebensgrundlage. In den 1670er Jahren wurde dafür auch ein kleiner Erlenwald an den Hängen des großen Wienerbergs erschlossen. In der Erlschachen wurde Wald gerodet und es wurden vier Landwirtschaften angelegt. Eine davon erhielt dann den Haus- und Hofnamen Wienerwaldhof. Heute zählt der Wienerwaldhof zu den ältesten Gebäuden im Irenental.
Früher wurde das Tal, durch das der Tullnerbach fließt, als Hintertullnerbach bezeichnet. Der Überlieferung nach verbreitete sich seit den 1880er Jahren der Name Irenental, benannt nach einem Mädchen namens Irene, die die Sommerzeit bei unserer Familie verbrachte. Im Lauf der Zeit fungierte der Wienerwaldhof als Sommersitz, als Meierei, als Erholungsheim, als neurologisches Sanatorium und als Frühstückspension. Heute werden am Wienerwaldhof Kunst und Kultur gepflegt und mit Anton und Frieda werden zwei Ferienwohnungen angeboten. Damit wird die Tradition der Sommerfrische fortgeführt WiWaHo - Ferien vom Ich.
Auf der Wiese oberhalb des Wienerwaldhof befindet sich die historische Liegehalle, die nun auch für Veranstaltungen von WiWaHo als Musikpavillon genutzt wird. Errichtet wurde sie zur Zeit des Erholungsheims und Sanatoriums für seine Gästen und Patienten und diente für Sonnenkuren.
Über WiWaHo
WIWAHO ist ein Kulturverein, der seinen Namen vom Wienerwaldhof ableitet, der an das Erbe der Sommerfrische im Wienerwald anschließt und sich mit klassischer bis experimenteller Kunst und Musik im Dialog mit Performance, bildender Kunst und Musiktheater auseinandersetzt.
Aus Leidenschaft für Musik und Kunst finden dazu immer wieder Veranstaltungen am historischen Wienerwaldhof statt. Dieser Ort, von dem sich auch der Name des Vereins ableitet, hat eine lange Tradition für Zusammenkünfte mit gesellschaftlichem Austausch und Inspiration. 2023 starteten wir mit einem kleinen Festival, dem weitere Konzerte und Events bei schönem Wetter folgten.
Austragungsort ist die sogenannte Liegehalle auf einer weitläufigen Wiese, die für Veranstaltungen von WIWAHO zu einem Musikpavillon verwandelt wird. Die Wiese wird zum offenen Zuschauerraum.
"WiWaHo ist ein Ort der Magie, an dem man Ereignisse und Emotionen erleben kann, an dem man von Schönheit in all ihren Formen überwältigt wird."
Markus P. Swittalek
Die schrittweise Erweiterung der historischen Struktur von WiWaHo – dieses ehemaligen Waldbauernhofs und späteren Erholungsheims – wurde immer mit Respekt für die natürliche Umgebung entwickelt. Gelegen ist dieser Ort im einzigartigen und außergewöhnlichen Gebiet des Biosphärenparks Wienerwald, der es verdient gefördert zu werden. Hier entsteht nach einem Konzept von Markus in Vielfalt, die die Geschichte umarmt, eine kreative Vision, die an die alte Zuneigung erinnert und eine Projektion in die Zukunft, die sich auf ihren Ursprung stützt.
Markus hat mit dem Landschaftsarchitekten Thomas Neubert das verwachsene Areal mit seinem alten Baumbestand weiterentwickelt und um zahlreiche neue Pflanzungen bereichert. Neben heimischen Laub- und Nadelhölzern finden sich auch einige exotische Pflanzen, die sich aber im Boden und Klima des Wienerwaldes sehr wohl fühlen. Die gestaltete Natur soll zu einem Erholungsort, wo auch Kunst und Kultur erlebt werden kann.
Der Erhalt von immateriellem Kulturerbe auf dem Gebiet des Obstbaus ist Markus ein besonderes Anliegen. Er beschäftigt sich mit dem Anbau alter Obstsorten nach Kriterien der ökologischen Landwirtschaft. Das Wissen um traditionellen Samenbau und Saatgutgewinnung wurde 2014 von der UNESCO-Kommission in die Liste des Immateriellen Kulturerbes Österreichs aufgenommen. Kultur wird am WiWaHo in Vielfalt gelebt.